Mein Leben nach dem 20. Januar 2012

Am 20. Januar 2012 veränderte sich mein Leben. Was passiert ist? Ich erzähle es euch:

 

Es war ein wunderschöner Januartag und ich war mit meinem Bruder schon früh unterwegs. Als wir um 13 Uhr in die Jugendeinrichtung, in der ich Ehrenamtlich arbeite, ankamen spürte ich einen stechenden Schmerz in meiner Brust. Sofort dachte ich das mein Herz wieder einmal spinnen würde doch zu dem Schmerz gesellte sich die Atemnot. 

Sofort liefen wir zum Bus und von unterwegs rief ich meinen damaligen Freund an, ob er in der Nähe wäre um mir eventuell mein Notfallmedikament vorbei zu bringen. Leider ging dies nicht und auch im Bus verschlechterte sich mein Zustand zusehens. 

Am Bahnhof angekommen, konnte ich kaum noch laufen und nur noch sehr wenig sprechen. Alle paar Schritte musste ich stehen bleiben um 3 Worte sprechen zu können. Diese 200m waren die schlimmsten in meinem Leben. Bei meiner Mutter angekommen, warf ich mich sofort auf das Sofa doch keine Position gab mir die Hoffnung auf mehr Luft.

Nachdem auch mein Blutdruck bedrohlich sank, entschied sich mein Bruder dazu mir einen Rettungswagen zu rufen. Da wir davon ausgingen das es das Herz war sagte er dies auch dem Leitstellendisponenten. Dieser nahm seinen Job wohl sehr ernst, oder das Snap System meinte es gut mit mir, aber kurze Zeit später stand der First Responder, ein RTW und der Helikopter des ADAC in meiner Straße. 

Nach einem kurzen Check des First Responders schaute mich die Besatzung an als wenn ich ein Ding an der Waffel hatte. Blutdruck leicht zu tief, Puls viel zu hoch und einen Sauerstoffsättigung von 100. Trotzdem habe ich nach Sauerstoff gefleht. Zu meiner Erleichterung entscheid sich der eine dazu mich an die Sauerstoffpulle anzuschließen. Die RTW Besatzung gesellte sich zu uns und schaute zu wie ich da heulend vor Schmerzen mich immer wieder in eine andere Position warf. Mein Glück, der Notarzt verstand etwas von seinem Beruf und es dauerte nur 10 Sekunden und der Zugang lag. Blöd nur das jeder Mensch Venenklappen besitzt. Also Zugang wieder raus und an anderer Stelle wieder rein.

Ich weis zwar nicht was er mir da gespritzt hat, aber es war mir auch egal denn es hat nichts geholfen. Die Entscheidung war gefallen ich musste mit ins Krankenhaus. 

Im Krankenhaus angekommen klebte man mir sofort EKG Pads auf die Brust. Doch leider ohne Befund. Interessant wurde es erst als der Arzt mein Zimmer betrat. Mit einem freundlichen Grinsen, eröffnete er mir das es für mich jetzt zum Röntgen geht da sie den Verdacht haben das meine Lunge gerissen war. Ich dachte mir so, das darf nicht sein der Typ verarscht mich doch und ich habe mir vielleicht einfach nur einen Nerven eingeklemmt. Doch es sollte alles anders kommen. Natürlich hatte dieser Arzt recht, was will man auch erwarten. 

Jippie, auf in den Schockraum eins. Wo auch schon ein attraktiver Assistensarzt, sein wunderbarer Vorgesetzter, eine Schwester und ein (ich denke) Zivildienstleistender auf mich gewartet haben. Legen sie sich so hin wir machen dies und das. Was hat der gerade gesagt, er will mich aufschneiden? Ähm Leute ich glaube weniger. Tja mein Mitspracherecht hatte ich wohl am Eingang abgegeben. Es pieckste kurz und dann fing der, vorher noch sehr attraktive, Assistensarzt an zwischen meiner vierten und fünften Rippe rum zu fummeln. Während die Schwester dafür sorgte das ich in einer Kombination aus schlechten Kamasutra und noch schlechterem Joga liegen blieb, telefonierte der andere Arzt per Lautsprecher mit der Station. Ich hielt die Luft an als der Herr der Meinung war er müsste mal, in Hackfleisch like, an meiner Rippe rumfingern. Als ich seine Hände sah konnte ich mir einen blöden Spruch einfach nicht verkneifen.

" Ich hoffe für Sie das ist nicht mein Blut was Sie da an den Händen haben!"

Hä? Bin ich wirklich so bescheuert? Das darf doch nicht wahr sein. Der Zivi sah mich schockiert an und die Schwester musste sich ein dickes Grinsen verkneifen.  Drenage drin und ab geht es auf die Station. Wow was ist das denn für ein geiler Pfleger? Ich glaube es könnte mir hier doch gefallen. Umbetten, auuuuuuuua! Wissen die eigendlich was die hier machen? Nachdem dies geschafft war, freute ich mich nur noch auf eine ordentliche Dosis an Schmerzmitteln. Dosis rein, Augen zu. So könnte es weiter gehen. Nachts allerdings der Schock. Wo bin ich? Was mache ich hier? Und wer um alles in der Welt hat mir einen Schlauch an meine Seite genäht? Langsam lies ich mir alles noch einmal durch den Kopf gehen.

Wenn ich zu dem Zeitpunkt gewusst hätte was noch alles auf mich zu kommt, hätte ich mich lieber in eine Ecke verkrochen und wäre noch lieber gestorben. 20 Jahre alt und ich musste wieder gewaschen werden, alleine auf die Toilette ging auch nicht mehr und vernünftige Klamotten, davon träumte ich nur noch. Diese unerträglichen Schmerzen. Nur auf dem Rücken liegend ohne Fernbedienung oder Fensterblick. Diese Vorteile ergatterte sich mein Bettnachbar. Er schnarchte und sprach kaum ein Wort. Leider kann ich mich an die ersten eineinhalb Tage nicht mehr erinnern. Die Schmerzen und die Medikamente haben meine Erinnerung total ausgelöscht. Wohl besser, wenn ich heute meinen Besuch frage was passiert ist, will mir niemand etwas genaues Erzählen.

Nach drei Tagen kam der Arzt und sagte mir das sie jetzt die Pumpe abklemmen würden um zu schauen das die Drenage schnell wieder raus kann. Nach 12 Stunden die Röntgen Kontrolle. Leider hatte ich noch Luft im Brustkorb so das die Pumpe weiter ihren Dienst tun musste. Am nächsten Tag wurde ich wieder abgeklemmt. Dieses mal stürmte der Doc in mein Zimmer brüllte die Schwester an das es nicht sein könne das die in der Rettungstelle nur scheiße bauen und das "Heimlichstück" nichts in dem Aufbau zwischen Schlauch und Pumpe zu suchen hatte. Also weiter saugen. Ich habe schon nicht mehr dran geglaubt doch am fünften Tag war es so weit. Morgens abklemmen, zur Röntgenkontrolle und dann das Ergebnis. Die Drenage kommt raus. Juhu, jetzt kann es nur noch besser werden. Denkste! 

 Um das ganze jetzt mal abzukürzen und die Besten Stellen streichend, die Drenage wurde gezogen ich kam noch zwei Tage auf die Unfallchirurgie und wurde dann nach Hause entlassen. 

Doch was jetzt kam war die Hölle. Ich konnte kaum Schlafen, durfte nicht Duschen und langes Laufen brachte mich beinahe um. 

Jetzt vier Monate später, hasse ich diese Narbe. Sie ist immer noch gerötet und meine Lunge tut oft noch weh. Langes Tanzen, Joggen oder  Fahrrad fahren kann ich nicht mehr. Oft denke ich an die Zeit vor dem 20. Januar nach. Wie unbeschwert man sein Leben doch leben kann und von jetzt auf gleich ist alles anders. 

 

Mit einen Spontanspneumothorax ist nicht zu spaßen aber ich wünsche es nicht mal meinem Feind. 

Ich danke meinem Bruder der mir an diesem Tag mein Leben gerettet hat. Ohne dich würde ich heute nicht mehr sein.

16.5.12 19:42

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